15. WELTMEISTER-TITEL !!!
... und der erste als Mami
 
Simone, 27.8.2009
 
Foto: Photopress
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Der saisonale Höhepunkt ist mit der WM vorbei und es ist eingetroffen, was ich kaum gehofft, ja geträumt gewagt hatte: mit 2 Bronzemedaillen und einer Goldmedaille bin ich aus Ungarn zurückgekehrt , ein unglaubliches Fazit!
9 Medaillen für das Schweizer Team... we are the best ;-)<br /><br />Foto: Photopress
9 Medaillen für das Schweizer Team... we are the best ;-)

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Es ist schon sehr viel geschrieben worden und deshalb werde ich hier nicht eine gewöhnliche Lauf-Analyse machen. Die Karten aller Finals findet ihr hier:
Karte Mitteldistanz »
Karte Sprint »
Karte Staffel »
Karte Langdistanz »
 
Ich picke einzelne Posten heraus und mache eine Top- und Flop-Liste. Hier also die 3 besten sowie die 3 schlechtesten angelaufenen Posten (beginnen wir mit den guten):
 
Posten 4-5 Langdistanz
Ich hatte einen sehr guten Start in dieser Langdistanz erwischt und zu Posten 4 schon den Rücken von Minna Kauppi erspäht. Für die Routenwahl zu Posten 5 nahm ich mir aber dennoch genügend Zeit um meine eigene Entscheidung zu fällen. Ich sah zwei Varianten: ganz rechts über die Wege oder ziemlich gerade und dann links vom grünen Zaun hindurch. Kauppi war vom Posten geradeaus weggelaufen, ich entschied mich aber für die Variante rechts. Diese Route sah schnell aus, da viel auf Weglein gelaufen werden konnte und auch einiges an Höhe gespart wurde. Als ich den Hang hinauflief, sah ich, dass auch Minna nun auf diese Route gewechselt hatte. Die Ausführung war dann nicht sehr schwierig und ich konnte schon viel vom Rest der Bahn vorauslesen. Ein kritischer Moment geschah nach dem Zaun, als Minna gegen links weglief. Ich kontrollierte sicher dreimal, ob ich wirklich richtig lag, wenn ich rechts weiterlief... ich war dann auch richtig und konnte den Posten sauber anlaufen. Der Wald vor dem Posten war wunderschön, wie schon zu Beginn des Laufes: super Sicht im Buchenwald, zwar einige Steine am Boden aber trotzdem sehr schnell belaufbar, ein Hit!
Mit einer deutlichen Streckenbestzeit legte ich hier einen Grundstein für meine Goldmedaille!
 
Start-1, Staffel
Als Zweitgestartete hatte ich eine super Ausgangslage im Staffelrennen. Vroni und Lea waren optimal gerannt und das Rennen war noch völlig offen, gut 6 Teams hatten noch Chancen für die Medaillen. Ich war zwar nervös am Start, freute mich aber auch riesig auf die Aufgabe. Als ich die Karte in die Hand nahm, sah ich, dass ich bis zum ersten Posten etwas Zeit hatte um ins Rennen zu kommen. Ich entschied mich, aussen rum auf dem Weg zu laufen und dann etwas von hinten zu meinem Posten in der Grube zu kommen.
Als ich kurz vor dem Posten war, hatte ich die vor mir gestartete Finnin Kauppi bereits eingeholt, die Route war also sicher gut gewesen und nun konnte ich ganz vorne in der WM-Staffel mitlaufen!
 
Posten 9-10, Sprint
Bei diesem Posten lief ich genau so, wie ich es mir für den gesamten Sprint vorgenommen hatte: den nötigen Schritt voraus! Beim Weglaufen vom Posten sah ich, dass es nun wieder einen Geländewechsel geben würde vom Zoo zurück in den Wald. Da ist immer besondere Vorsicht geboten. Ich hatte ein klares Konzept: mit Kompass in den Wald hinein über die Mulde, dann auf der Nase bleiben bis zur Böschung und von dort in die Mulde hinunter. Genau so machte ich es und die Streckenbestzeit zeigte auch, dass man mit einem solchen Konzept einfach schnell ist!
 
und nun die drei schlecht angelaufenen Posten:
 
Posten 11-12 Sprint
Nach den sehr guten Teilstrecken 9-10 und 10-11 war ich nun nicht genügend vorberbereitet. Bei einem kurzen Blick auf die Karte hatte ich das Gefühl, dass die feine Wegspur unter dem Strich durch das Grün führte und so die schnellste Route darstellte. Als die Wegspur dann aber in den Dornen und Nesseln endete, musste ich meinen Fehler einsehen. Bis ich draussen auf dem Weg war, setzte es mir einige Kratzer ab und als ich weiterrannte, spürte ich etwas Warmes an den Beinen... die blutigen Kampfspuren hatten sich nicht einmal gelohnt, ich verlor ganze 20 Sekunden mit diesem Fehler. Einmal mehr: ein kurzer Stopp beim Posten hätte sich gelohnt um die Route genau zu planen und die blutigen Beine zu umgehen...
 
Posten 3-4 Mitteldistanz
Auf der Karte sah dieser Posten eigentlich nicht so schwierig aus (erstes Warnzeichen, unterschätze nie einen Posten!). Ich wollte in die Mulde und hinunter in die Senke laufen und von dort den Felsen anlaufen. Beim Weglaufen verhinderten einige liegende Bäume meine genaue Weglaufrichtung (zweites Warnzeichen, hätte korrigieren sollen) und so lief ich mehr links als gewollt. Ich sah dann den Herren-Posten beim Felsen und war mir so genau sicher, wo ich war. Jetzt noch durch die Mulde und durchs Grün am Senken-Rand entlang zum Posten. Ich kämpfte durchs Grün und als ich raus kam, sah ich vor mir eine Senke. Gut, dessen Rand entlang zum Posten (drittes Warnsignal, wo war mein Distanzgefühl?). Am Ende der Senke hatte es auch etwas Grün und so schaute ich zuerst hinter einige Büschchen. Als ich dann aber am Senkenrand oben auf einem kleinen Weglein stand, musste ich mir endgültig eingestehen, dass es nicht mehr stimmte. Ziemlich schnell konnte ich rekonstruieren, was geschehen sein musste und das kleine Weglein war als gelber Lichtungsstreifen kartiert. Mist, viel zu weit also und zurück zum Posten! Als ich stempelte, hörte ich es rascheln... war dies schon Marianne???
 
5. Posten Staffel
ich war zusammen mit Minna unterwegs und wir hatten gegen hinten eine Lücke öffnen können. Ich sah dem Posten an, dass er schwierig sein würde und plante so das Anlaufen genau. Vor der Kante sah ich links den Felsen und lief so oben noch etwas nach rechts, damit ich den höchsten Punkt und den Grenzstein spürte. Minna lief frecher direkt den Hang hinunter, doch ich wollte diese Meter investieren. Von oben lief ich dann mit Kompass den Hang hinunter und ich fand, dass der Rand des Grünen sehr schwer auszumachen war. Mir kam Mätthu Merz in den Sinn, der mir von seinem Lauf erzählt hatte, dass er so einen schwierigen grünen Kalchofen-Posten gehabt hätte, der extrem gut versteckt wäre. Hm, das wäre wohl dieser Posten jetzt... ich lief aber noch guten Mutes hinunter, doch den Posten fand ich nicht. Auch Minna begann herumzusuchen und da ich wusste, dass ich nahe dran war, durchkämmte ich das Gebiet. Kurze Zeit später kamen die Verfolgerinnen dazu, nämlich Schweden, Norwegen und Tschechien. Auch sie irrten umher und ich wusste bald nicht mehr, was ich tun sollte. Hinten auf den Weg laufen half auch nichts, da dieser ganz gerade verlief und mir keinen Hinweis geben konnte. Ich versuchte es auch mit dem Einzelbaum, der ja wirklich nahe beim Posten war, aber auch nichts...Plötzlich sah ich, dass die anderen zielstrebig hangaufwärts liefen. Ich folgte einige Schritte, sah dann aber sofort ein, dass sie bereits auf dem Weg zum nächsten Posten waren... Mist, also wieder zurück und nach weiteren kostbaren Sekunden sah ich plötzlich den Posten hinter einem grünen Busch im Loch stehen...
Der Zug war abgefahren und somit auch unsere Medaillenträume...
Ein kleiner Trost nach dem Lauf waren die Reaktionen der anderen Läufer sowie solchen, die nachher noch den Posten anschauen gegangen waren. Ein nicht ganz 100%ig fairer Posten, aber leider half das auch nicht gross weiter...
Thierry's Kommentar zu diesem Posten »
 
FAZIT: Gold-Bronze-Bronze-Leder
Dass ich nach meiner Babypause und der Verletzung im Frühling wieder ganz nach vorne hätte laufen können, war ich mir nicht 100%ig bewusst. Die Resultate im Frühling waren doch noch nicht ganz top und es fehlte mir auch ein Rennen, wo ich ans Optimum gekommen war. Ich wusste, dass ich läuferisch in den letzten Monaten gut hatte trainieren können und so sicher etwas Boden gut gemacht hatte gegenüber den anderen. Was aber sicher fehlte, war das grosse Selbstvertrauen, das man vorallem durch gute Resultate im Vorfeld bekommt.
So waren die Qualiläufe für mich ein wichtiger Schritt an dieser WM und ich merkte, dass ich wirklich dabei war. Vorallem auch die Mitteldistanz, wo ich mit einem suboptimalen Lauf noch Bronze gewann, zeigte mir auf, dass ich wirklich vorne mitmischen konnte.
Am Sonntag bei der Langdistanz stimmte dann einfach alles zusammen: die Vorfreude, das Gelände, die Technik, die Beine und der Kopf. So ein OL-Gefühl zu erleben ist schon wunderbar!
 
Foto: World of O
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Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich bei diesem WM-Unterfangen unterstützt haben!
Ganz speziell dem Trainerteam, dem Medical-Team und natürlich allen Fans, die mir die Daumen gedrückt haben. Besten Dank für all die Gratulationen!
Ein spezieller Dank auch an meine Eltern, die Malin während der WM-Woche, aber auch schon vorher, so wundervoll betreut haben!
 
Foto:Photopress
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Simone Niggli-Luder

17-fache OL-Weltmeisterin
Interview an der OL WM 2006
Simone Niggli-Luder
ist Botschafterin von

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Velos für Afrika

Sativa

simone@simoneniggli.ch