42.195km und 1829 Höhenmeter!
 
Simone, 13.9.2010
 
die letzten Höhenmeter auf der Moräne<br />Foto: Martin Jörg
die letzten Höhenmeter auf der Moräne
Foto: Martin Jörg
 
3 Stunden, 34 Minuten und 29 Sekunden brauchte ich für diese Strecke und schaffte es somit als beste Schweizerin auf den zweiten Rang, ein super Ergebnis!
Was sich nach einer langen (Leidens) Zeit anhört, war gar nicht so... aber alles der Reihe nach:
 
Start um 9 Uhr
Start um 9 Uhr
Ich war froh, als endlich Samstag Morgen war, denn diese letzten Tage ohne viel Training und "warten, dass die Form kommt", behagen mir jeweils nicht so richtig...
Bereits beim Aufstehen war klar: es würde wie schon bei meiner ersten Teilnahme 2006 ein herrlicher Tag mit Sonnenschein geben.
Der Blick vom Start in Interlaken hinauf zur Jungfrau finde ich genial. Und dann gehts los, ganz nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel!
Die ersten Kilometer kamen trotz angezogener Handbremse wie im Fluge und erst nach ca 4 Kilometer stellte sich etwas Ruhe ein.
 
in Wilderswil zusammen mt Simona Staicu (HUN) und Armando<br />Foto: Martin Jörg
in Wilderswil zusammen mt Simona Staicu (HUN) und Armando
Foto: Martin Jörg
Interlaken-Lauterbrunnen
Vor diesen ersten 25 flachen Kilometer hatte ich etwas Respekt, aber schon bald fand ich mich in einer Gruppe wieder, die ein schön regelmässiges Tempo lief. Dabei war Armando von Bönigen, der auf diesen ersten Kilometern bei jeder Strassenecke einen Bekannten zu haben schien. Schön, das Anfeuern nahm ich auch etwas für mich auf... Mit dabei war auch die Ungarin Simona Staicu und wir waren als erste Frauen unterwegs. Das erschreckte mich zuerst ein bisschen, stufte ich einige andere Läuferinnen doch etwas stärker als mich ein. Ich vertraute dann aber auf mein Bauchgefühl und liess meine Beine laufen. Mit einem guten Gefühl nach Lauterbrunnen rollen, war mein Ziel und dies gelang mir auch gut. Simona musste ich unterwegs mal ziehen lassen, als sie auf eine schnellere Gruppe wechselte. Dass ich sie später noch einmal sehen würde, hätte ich auch nie gedacht...
 
Lauterbrunnen, bei km 20<br />Foto: Martin Jörg
Lauterbrunnen, bei km 20
Foto: Martin Jörg
 
nach den Trümmelbachfällen<br />Foto: swiss-image
nach den Trümmelbachfällen
Foto: swiss-image
Lauterbrunnen-Wengen
Nach 82 Minuten lief ich an der Halbmarathon-Marke vorbei und ich hoffte, dass diesmal meine Waden nicht wieder so hart sein würden wie im 2006. Diesmal spürte ich aber überhaupt keine Beschwerden und auch die Schlaufe zu den Trümmelbachfällen gingen gut.
Von dort aus hat man einen schönen Blick hinauf zur Jungfrau und auch auf Wengen. Die Steilwand ist imponierend und zehrte dann auch zum ersten Mal so richtig an den Kräften...
Dieser Anstieg ist wirklich happig und ich nahm bewusst etwas Tempo hinaus um einen guten Rhythmus zu finden nach den flachen Kilometern. Dies gelang mir gut und ich liess mich auch von den anderen Läufern nicht drausbringen, die mich überholten. Den Grossteil sah ich nämlich später wieder ;-)
von hinten kam im Aufstieg nach Wengen die Amerikanerin Megan Lund herangebraust und überholte mich mit einem hohen Tempo. "Die werd ich nie mehr sehen" ging mir durch den Kopf. Aber schon bald merkte ich, dass sie nicht schneller lief als ich, denn ich hatte sie immer mehr oder weniger im Blickfeld. Das Überholmanöver war wohl vorallem zum Einschüchtern gedacht gewesen...
Wengen-Wixi
In Wengen empfing uns das Publikum wieder lautstark und dies half wieder einige Kilometer weiter. Während im flachen ersten Teil nur jeder Kilometer markiert gewesen war, waren nun alle 250 Meter ein Schild aufgestellt... das ist für die Psyche nicht immer ganz einfach, brauchte man doch manchmal fast gleich lange für die 250 Meter am Berg wie für einen Km im flachen...
Ich hatte aber sowieso aufgehört, auf die Uhr zu schauen. Jetzt ging es vorallem darum, auf den eigenen Körper zu hören! Die Gruppen, die sich unten gebildet hatten, teilten sich praktisch alle auf, jeder kämpfte für sich und in seinem eigenen Rhythmus.
Für mich kam die härteste Zeit zwischen dem Café Oberland (nach Wengen) bis nach Mettla. Der stetig ansteigende Waldweg schlängelt sich Kurve um Kurbe Richtung Kleine Scheidegg und mir kam dieser Abschnitt endlos vor.
Bei Mettla wartete dann Mätthu mit Verpflegung und das war ein erster Aufsteller.
 
Blick auf die Jungfrau<br />Foto: swiss-image
Blick auf die Jungfrau
Foto: swiss-image
Wixi-Kleine Scheidegg
Der zweite Aufsteller kam dann von Role, der mir bei Wixi mitteilte, dass ich nur wenig hinter der Zweiten Megan Lund lag. Und wirklich: kurz nachdem die Strecke auf das Bergweglein gewechselt hatte, sah ich sie kurz vor mir. Ich kam immer näher und konnte sie dann auch überholen.
Nun warteten zwar nicht mehr viele Kilometer auf mich, aber noch ein happiges Stück auf der Moräne mit viel Steigung!
Bei der letzten Verpflegung auf der Harregg hörte ich nocheinmal die Stimme von Role: "die Erste ist nur knapp 2 Minuten vor dir und sie muss marschieren, das machst du noch!"
So viel Zeit aufholen auf so kurzer Strecke? Kaum, dachte ich mir, doch schon bald dannach sah ich die Ungarin vor mir den Berg hoch marschieren. Schritt für Schritt kam ich näher und nun erwachte auch mein Wettkampf-Instinkt wieder mehr.
Kurz vor dem Kulminationspunkt war ich ganz nahe dran, vielleicht 10 bis 15 Sekunden... dann führte die Strecke nur noch bergab und ich musste zusehen, wie Simona nocheinmal aufs Gas drücken konnte. Ich hatte keine Chance mehr, denn meine Beine hatten keine Kraft mehr, auch wenn's (oder gerade weil) es bergab ging...
Die letzten Meter konnte ich dann aber noch so richtig geniessen im Wissen, ein super Rennen gemacht zu haben!
 
Mit einem Lächeln im Ziel!<br />Foto: swiss-image
Mit einem Lächeln im Ziel!
Foto: swiss-image
 
Wow, 2. Rang am Jungfrau-Marathon, das ist super für mich!
Mit der gelaufenen Zeit war ich auch sage und schreibe 30 Sekunden schneller als im 2006 (schon lustig, dass die Zeiten nach über 3.5 Stunden so nahe beieinander liegen).

Auch bei den Männern sorgte ein OL-Läufer für Furore: Marc Lauenstein lief auch auf den zweiten Rang und war somit bester Schweizer.
Rangliste »
 
mit Marc Lauenstein zwei OL-Läufer auf Platz 2<br />Foto: Martin Jörg
mit Marc Lauenstein zwei OL-Läufer auf Platz 2
Foto: Martin Jörg
 
Das Frauen-Podest:<br />Simone (2.)- Simona Staicu (1.)-Jasmin Nunige (3.)
Das Frauen-Podest:
Simone (2.)- Simona Staicu (1.)-Jasmin Nunige (3.)
 
Im Ziel war ich einfach nur noch glücklich, diese Leistung erbracht zu haben und oben angekommen zu sein.
Die Kulisse war umwerfend schön mit den Bergen zum Greifen nahe und der strahlenden Sonne.

Ein ganz grosses MERCI meinen Helfern Brige, Role und Mätthu, ihr ward super!

Heute Montag fühlt sich mein Körper natürlich immer noch müde an, doch erstaunlicherweise habe ich keine schmerzende Stelle, das ist super! Ich kann mich noch an 2006 erinnern, wo ich kaum mehr die Treppe runtergehen konnte. Diesmal ist dies überhaupt kein Problem und auch die Waden sind nicht verhärtet.
Nehm ich natürlich dankend an, denn ab nächsten Freitag gehts ins Trainingslager nach Frankreich, wo wir uns für den Weltcup-Final vorbereiten werden.
 
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Simone Niggli-Luder

17-fache OL-Weltmeisterin
Schweizer Fans an der OL WM 2006
Simone Niggli-Luder
ist Botschafterin von

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simone@simoneniggli.ch